Wir hatten eine Woche Urlaub im März geplant und fragten uns, was wir tun sollten, wohin wir gehen und was wir tun sollten. Da es noch Corona Maßnahmen gab und die Einschränkungen hinausgehen, konnten wir nicht viel im Voraus planen, da sich die Maßnahmen von heute auf morgen ändern. Also beschlossen wir diesmal, spontan zu handeln. Im Grunde genommen ist jede Reise, die wir unternehmen, immer geplant und organisiert. Aber dieses Mal war alles anders und wir beschlossen zu improvisieren.

Wir wollten nicht weit fahren, und so setzten wir uns am Sonntag vor den Computer und suchten uns 2 nahe gelegene Ziele aus.  Nämlich die Städte Bamberg und Würzburg. Wir haben unsere Hotels gebucht und unsere Koffer gepackt. Am Montag, nachdem wir ausgeschlafen hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Bamberg. Wir haben diese Stadt als unser erstes Ziel gewählt.

Unser Tag begann mit guter Laune, blauem Himmel und viel Sonnenschein – was braucht man mehr für einen tollen Urlaub.

Bamberg liegt 230 km nördlich von uns und wir haben etwa 2,5 Stunden gebraucht, um dorthin zu gelangen. Nachdem wir geparkt und in unser Hotel eingecheckt hatten, gingen wir spazieren, um zu sehen, was es wo gibt.

Da unser Hotel in der Nähe des Stadtzentrums lag, gingen wir natürlich dorthin. Alle Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Regel in der Innenstadt, so dass wir auch dorthin gingen, um sie sich anzuschauen.

Bamberg, oder Babenberg, wie es im Mittelalter genannt wurde, ist eine mittelgroße Stadt – sie hat etwa 77.000 Einwohner und liegt in Oberfranken im Bayern, wie ich bereits erwähnt habe. Die Altstadt gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Während der Kriege hatte Bamberg Glück und wurde kaum bombardiert. Das ist ein großes Glück, denn die alten historischen Gebäude sind erhalten geblieben, und wir können sie jetzt genießen. Außerdem ist Bamberg berühmt für seine vielfältigen Biertraditionen. In Bamberg gibt es 13 familiengeführte Brauereien und weitere 60 im Umland, die über 400 Biersorten herstellen. Eines der bekanntesten und typischsten Biere Bambergs ist das Rauchbier, über das ich später noch schreiben werde.  Der durchschnittliche Bierkonsum in Bamberg liegt bei 280 Litern pro Person und Jahr! Ja, eine außergewöhnliche Menge, wenn man bedenkt, dass Deutschland im Jahr 2020 95 Liter pro Person hat. Sie sollten also auf jeden Fall zumindest ein paar verschiedene Biere probieren. Wir persönlich haben eine ganze Reihe von Bieren verschiedener Brauereien probiert. Wenn ich schon beim Thema Bier bin, muss ich auch das so berühmte Rauchbier erwähnen, das es nur hier gibt. Dieses Bier wird Rauchbier genannt. Es hat eine dunkle Farbe und einen rauchigen Geschmack. Das liegt daran, dass das Malz beim Brauen mit Buchenholzkohle geräuchert wird, während es trocknet. Ein Muss für die Verkostung dieses Biers in Bamberg ist eine Brauerei in der Innenstadt – das Schlenkerla. Als wir herumliefen, sahen wir direkt vor der Kneipe eine Menge Leute, die ein Glas Bier in die Hand hatten und vor der Kneipe saßen und Bier tranken. Wir sind hineingegangen und haben dieses besondere Bier in den urigen Räume genossen. Der Geschmack dieses Bieres ist Geschmackssache – für uns war es süffig. Wenn ihr eine Flasche kauft, solltet darauf achten, das Bier in ein Glas zu gießen und dann zu trinken, ohne das Bier im Mund zu halten. Es kann sein, dass euch dieses Bier nicht besonders schmecket, aber bei einem Besuch in Bamberg ist die Verkostung ein Muss!

Schlenkerla

Schlenkerla

Neben dem Trinken sollten wir auch das Essen nicht vergessen. In Bamberg müsst ihr unbedingt das typische Schäuferla / Schäuferle essen – das gibt es in jeder Gaststätte. Nun, dieses Gericht ist typisch fränkisch! Schäuferla ist eine Schweineschulter mit Haut und Knochen, die mit einem großen Kartoffelknödel und Sauerkraut auf einer dunklen Biersauce serviert wird. Ein sehr schmackhaftes Gericht, zu dem man viel Bier trinken kann. Schäuferla kommt von dem Wort Schaufel. Der Knochen, der von diesem Gericht übrig bleibt, sieht tatsächlich wie eine Schaufel aus.

Schäufele / Schäuferla

Schäufele / Schäuferla

Unser Spaziergang zum Zentrum war sehr schön und angenehm. Wie in jeder Stadt befinden sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im und um das Zentrum. Wenn ihr Zeit, Lust und Gelegenheit habt, empfehle ich Euch, eine geführte Tour durch die Stadt zu buchen. In der Touristeninformation wird eine angeboten. Wir haben das getan und dabei einiges Interessantes über die Stadt erfahren.

Bamberg ist, ähnlich wie Plovdiv, eine Stadt auf sieben Hügeln, die auch das „fränkische Rom“ genannt wird. Archäologische Meisterwerke, die mehr als 1000 Jahre alt sind, können dort besichtigt werden. Die alte Bischofsstadt ist in drei Teile gegliedert: die Gärtnerstadt, die Domstadt und die Bürgerstadt. Die Domstadt hat ihren Namen vom Kaiserdom und ist das geistige Zentrum Bambergs. Das Zentrum der Bürgerstadt ist der Grüne Markt, der sich als zentrale Fußgängerzone Bambergs großer Beliebtheit erfreut.

Der Name der Stadt leitet sich von einem Gebiet ab, das sich um die Burg der Babenberger herum befand. Nach ihrem Verschwinden fielen das Schloss und die Siedlung an die Krone zurück. Der damalige Kaiser Heinrich II. wollte Bamberg zur Hauptstadt machen. Er gründete zahlreiche Stiftungen und ein Bistum. Die Stadt erblühte in neuem Glanz und neue Klöster und Kirchen wurden gebaut. Bis 1802 war es eine Residenzstadt, heute ist es immer noch der Sitz des Erzbischofs.

Es gibt eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten in Bamberg, aber ich werde hier nur einige der wichtigsten erwähnen.

Das Alte Rathaus in Bamberg liegt mitten in der Regnitz, gebaut auf einer künstlichen Insel. Die Insel ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Aufgrund seiner Lage wird das Alte Rathaus von den Bambergern oft als Insel- oder Brückenrathaus bezeichnet. Bereits 1386 wurde an dieser Stelle ein Rathaus erwähnt. Im Jahr 1460 fiel dieses erste Rathaus jedoch einem Brand zum Opfer. Das heutige Gebäude wurde ab 1461 an der gleichen Stelle errichtet.  Das Gebäude auf der Südseite ist in seiner ursprünglichen Form erhalten. Die Legende erzählt von dem ungewöhnlichen Bauplatz und der Weigerung des Bischofs, den Bürgern einen Platz für ihr gewünschtes Rathaus zu gewähren. Eine plausiblere Erklärung scheint jedoch zu sein, dass die Bürger an der Grenze zwischen ihrer Inselstadt und der Bergstadt des Bischofs ihre neu gewonnene Macht demonstrieren wollten. Vom Steg aus kann man das ehemalige Mühlengelände flussaufwärts sehen. Früher waren dort Getreide-, Papier- und Gerbereien angesiedelt, heute befinden sich dort Studentenwohnheime und Hotels.

Das alte Rathaus

Das alte Rathaus

Von der Brücke des Alten Rathauses kann man ein weiteres Wahrzeichen Bambergs sehen, nämlich das kleine Venedig. Der Name Klein-Venedig wurde 1842 von zwei Journalisten in dem Buch „Handbuch für Reisende auf dem Mond“ vergeben. Obwohl Klein-Venedig wenig mit seinem berühmten italienischen Namensvetter gemein hat, sind die malerischen Fischerhäuschen entlang der Regnitz einen Besuch wert. Das ehemalige Fischerdorf besteht aus ca. 30 Wohnhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert und liegt am Ostufer der Regnitz zwischen dem ehemaligen Hafen „am Kranen“ und der „Markusbrücke“. Die ältesten dieser kleinen Häuser sind einstöckig und haben hohe Dächer. Im Gegensatz zu anderen Häusern am Wasser sind die Wohnräume zum Wasser hin ausgerichtet, nicht zur Straße.

Klein Venedig

Klein Venedig

Zu dieser Zeit waren die Keller zum Wasser hin offen. Die Dächer sind leicht geneigt, haben schöne Balkone, kleine Gärten und sehr schöne Pfeiler. Die idyllische Lage ist der Grund dafür, dass die kleinen Häuser heute so begehrt sind. Einige von ihnen wurden zu Ferienwohnungen umgebaut, damit jeder Besucher seine Freizeit in dieser malerischen Gegend verbringen kann. Südlich der Fischerhäuschen befindet sich der barocke Schlachthof aus dem Jahr 1742. Es wurde in den Fluss gebaut, so dass dieser durch einen Teil des Hauses fließen konnte. Das machte die Entsorgung von Fleischabfällen sehr bequem. Vor dem Eingang ‚am Kranen‘ steht ein Ochse mit einer lateinischen Inschrift. Übersetzt heißt es: „Sogleich ein Ochß und nicht-/ vorher ein Kalb zu seyn/ ist gegen die Natur…“

Ein weiteres berühmtes Wahrzeichen Bambergs ist der Dom. Im Jahr 1007 gründeten Kaiser Heinrich II. und seine Frau Kunigunde das Bistum Bamberg. Im Zuge dessen wurde auch eine Kathedrale gebaut. Leider wurde sie 1185 niedergebrannt. Daraufhin wurde eine neue Kathedrale gebaut und 1237 geweiht. Er sollte dem ersten so ähnlich wie möglich sein, ihn aber in Höhe und Breite übertreffen. Diese Kathedrale wurde aufwendig gebaut und dekoriert.

Bamberger Dom

Bamberger Dom

An seiner Spitze befinden sich zum Beispiel Skulpturen des Bamberger Reiters oder der Synagoge. Der Bamberger Reiter wurde schnell zu einem Wahrzeichen Bambergs und gehört zu den kostbarsten Schätzen der europäischen Kunstgeschichte.  Bei dem Reiter handelt es sich vermutlich um König Stephan von Ungarn. Er kam nach Bamberg, um die Schwester von Kaiser Heinrich zu heiraten. Zu dieser Zeit gehörte er jedoch keiner Kirche an. Die Legende besagt, dass er einfach auf seinem Pferd in die Kathedrale ritt. Nach vielen Jahren der Forschung über den Bamberger Reiter bestätigen die Ergebnisse, dass der Bamberger Reiter tatsächlich König Stephan symbolisiert. Ein weiteres Denkmal zu Ehren König Stephans wurde 1235 von Bischof Ekbert errichtet, was wohl auf die Dankbarkeit des Bischofs gegenüber Ungarn zurückzuführen ist. Seine Schwester war Königin von Ungarn. Als ihr Bruder des Mordes an König Philipp von Schwaben verdächtigt wird und Bamberg verlassen muss, nimmt sie ihn bei sich auf. Wenn Sie also Zeit haben, gehen Sie in die Kathedrale und sehen Sie sich um – neben dem Reiter können Sie auch einen Blick in die Katakomben werfen. Der Bau der Kathedrale dauerte 40 Jahre.

Bamberger Reiter

Bamberger Reiter

Heute ist sie 98 Meter hoch. Während des Baus wechselten die Epochen von der Romanik zur Gotik. Die vier Türme sind über 75 Meter hoch und verleihen dem Gebäude ein majestätisches Aussehen. Die Kathedrale hat einen Ostchor und einen Westchor. Nach römischem Vorbild befindet sich der Hochaltar im Westchor und nicht im Ostchor. Das Innere der Kathedrale kann durch vier Portale betreten werden: das Veitspforte, das Fürstenportal, das Gnadenpforte und das Adamspforte.

Direkt gegenüber des Doms befindet sich die neue Residenz. Es ist ein schönes Gebäude, das Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. Es waren zwei verschiedene Bauphasen erforderlich. Die erste der beiden Bauphasen fand 1602 statt und wurde von Fürstbischof Johann Philipp von Goebbels initiiert. Dieser erste Teil wurde im Renaissancestil erbaut und bildet heute den rückwärtigen Teil des Gebäudes. Erst zwischen 1697 und 1703 wurde der zweite Teil der Neuen Residenz gebaut. Dieses Mal wurde der Bau von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn in Auftrag gegeben. Er sagte einmal: „Bauen ist ein Teufelswerk, wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören“. Diese Front ist im Barockstil gehalten. Das Ende der Bauarbeiten wurde durch die Errichtung des Vierzehnheiligenpavillion markiert.

Neue Residenz Bamberg

Neue Residenz Bamberg

Damals war die Neue Residenz Wohn- und Arbeitsstätte der Bamberger Bischöfe. Der Prachtbau sollte also die Macht der Bischöfe unterstreichen.

Nach 1803 wurde die Neue Residenz jedoch nicht mehr von den Fürstbischöfen bewohnt, sondern diente als königliche Residenz.

Damals wollte der Fürstbischof die Neue Residenz ausbauen. An der Schnittstelle zwischen dem hinteren Renaissancegebäude und dem vorderen Barockgebäude sind Gesimse zu sehen. Sie alle weisen auf den Alten Hofhaltung in Bamberg hin. Der Grund dafür ist, dass die beiden Gebäude nach den Plänen der Fürstbischöfe miteinander verbunden werden sollten. Die Straße sollte in einem Bogen unter der Verbindung hindurchführen.

Es gab aber auch Pläne, die Alte Hofhaltung ganz verschwinden zu lassen, um mehr Platz für den Ausbau der Neuen Residenz zu schaffen. Diese Pläne konnten aufgrund der damaligen schlechten finanziellen Lage nicht umgesetzt werden. Zur gleichen Zeit tobten die spanischen Kriege, und eine Verbesserung der Geldmittel war nicht in Sicht.

Im Hof der Residenz gibt es einen schönen Rosengarten, und von der Terrasse aus kann man einen Teil der Stadt sehen und hat einen tollen Blick auf das Kloster von St. Michael. Seit 10 Jahren wird dort renoviert, und man geht davon aus, dass die Renovierungsarbeiten noch so lange andauern werden.

Kloster Sankt Michael

Kloster Sankt Michael

Heute beherbergt die Neue Residenz auch einen Teil der Bayerischen Staatsbibliothek.

Natürlich gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Wenn ihr Zeit habt, geht hin und überzeugt euch selbst. Neben den gut erhaltenen historischen Sehenswürdigkeiten, die Euren Geist nähren, könnt ihr auch Euren Körper mit wunderbarem Essen und Bier verwöhnen.